Autor: Jan

 

Gesehene Fassung: siehe hier

 

FILMRATING: 94%

 

Titel: Nightmare - Mörderische Träume

 

OT: A Nightmare on Elm Street

 

Herkunft: USA (1984)

 

Regie: Wes Craven

 

Drehbuch: Wes Craven

 

Darsteller: Heather Langenkamp, John Saxon, Robert Englund, Ronee Blakley, Amanda Wyss, Nicki Corri, Johnny Depp

 

Länge: ca. 87 Minuten

 

Inhalt: Nancy leidet unter grässlichen Alpträumen. Unterdessen werden ihre Schulfreunde, die genau dieselben Träume haben, im Schlaf von einem in allen Alpträumen auftauchenden wiederwärtigen Teufel abgeschlachtet. Die Polizei interessiert sich nicht für Nancys Erkärung - deshalb muss sie den Killer in seinem Schattenreich selbst gegenübertreten...

 

Altersfreigabe (FSK): ab 16 (Neuwertung 2007)

 

Kritik: Wes Craven – ein Mann mit Intelligenz was Horrorfilme anbelangt. Viele seiner Filme gingen in die Filmgeschichte ein, darunter der 30 Jahre alte Kannibalen-Schocker „The Hills Have Eyes“ und eben dieser wegweißender Horrorhit – „A Nightmare on Elm Street“. Zusammen mit Victor Miller erdachten sie sich eine Geschichte, wie sie es noch nie gegeben hat. Das Rezept hat funktioniert, die Serie ging in Serie, wurde mit einem Crossover mit Jason Vorhees belohnt und bekommt 2010 ein Remake geschenkt. Wenn das mal keine Erfolgsgeschichte ist. Zu Recht.

 

Als der Film produziert wurde, stand er unter keinem guten Stern. Die Produzenten dachten nicht an den Erfolg, denn sich Craven versprach. Völlig unbegründet. Was hier abgeliefert ist, erfüllt zwar fast jedes Horrorklischee, aber noch nie wurde eine Story so tiefgründig und gleichzeitig sogar intelligent umgesetzt wie hier. Der Horror kommt auf leisen Sohlen und meist durch die Hintertür – aber dann schlägt er rabiat zu. Bei den „Horrorszenen“ ging die kranke Fantasie mit den Autoren durch und das ist hier wirklich zu bewundern – denn in jeder Fortsetzung überraschen uns die Macher mit neuen „Albtraum-Szenen“. Aber nun zum Erstling. Mit Johnny Depp, der hier eine Hauptrolle übernahm, war der Streifen gut besetzt, denn Depp (Damals noch unbekannt) spielt seine Rolle unbekümmert und man nimmt ihm die Rolle durchaus ab, jedoch wirkt er für einen Horrorfilm fast schon zu perfekt. Das Genre „Horror“ hat immer eine dreckige, grausame Seite und das ist Depp keineswegs. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler sind die Restlichen Rollen klug und wohlüberlegt besetzt und keiner Nebenrolle wurden unnütze Dialoge und zusätzliche Tode geschrieben. Schön. Hier konzentrieren sich die Macher wirklich nur auf die Haupt-Protagonisten was gegen Ende fast schon eine kammerspielartige Erzählweise ist. Mit der Regie jedoch hapert es ein wenig. Wes Craven war damals noch recht neu im Geschäft und kein guter Regisseur. Im Allgemeinem gilt Craven eher als genialer Geschichtenerzähler, seine Filme leiden alle unter seiner leicht hölzernen Regie-Arbeit. Das führte in dem Fall so weit, dass er sich kurzzeitig Hilfe vom Kollegen und Slasher-Produzenten Sean S. Cunningham holte – aber davon merkt man im Film nichts, was nicht unbedingt ein positiver Punkt sein soll. Craven hat keine erkennbare Handschrift, es bereitet ihm Probleme, „normale“ dialoglastige Szenen zu drehen, was man hier 1-2 mal sogar mitbekommt, aber diese hier nicht weiter stören, das sie glücklicherweise recht kurz gehalten sind. Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass hier eine wahre Horrorfilm-Perle erschaffen wurde, die zahllose Nachahmer nach sich zog als auch eine erfolgreiche Fortsetzungsflut. Zwar erreichen nicht alle Fortsetzungen die Raffinesse und Genialität des Originals, aber Renny Harlin schuf mit dem 5. Teil immer hin ein atmosphärisches Highlight und Rachel Talalays (immer noch indizierte) Fortsetzung bietet schön sarkastische Dialoge. Trotz des Mini-Budgets spielte der Film mehr als 100 Millionen Dollar ein und gilt noch heute als erfolgreichster Anfangsfilm einer Horror-Saga aller Zeiten – und das Rezept geht selbst heute noch auf. Zwar wirkt das alles angestaubt, aber der Film ist immer noch ein echter Nägelkauer und bereitet zeitweise Angst. Selbst hartgesottene Fans sollten den Film nicht so „cool“ angehen – der Film hat selbst nach 25 Jahren noch einiges auf dem Kasten – die Special Effekte können damals wie heute noch überzeugen und die heute schon obligatorischen Schocks waren damals ein Neu-Erlebnis, aber Craven hat sie in seinem Kulthit auch ziemlich clever und unvorhersehbar versteckt. Cleverer Schocker jenseits des Mainstream. Kann nicht jeder.

 

Nach einer Neuwertung 2003 wurde der Film von „FSK: 18“ auf „FSK: 16“ runtergestuft, was vollkommen legitim ist. Nach heutigen Verhältnisse wäre ein „FSK:18“-Siegel doch ein wenig übertrieben, aber die Schocks und die Spannung, mit der Craven hier arbeitet, sind ideal für einen 16er-Kandidat. Vorsicht: Zartbesaitete seien dennoch gewarnt, der Film ist ein klassischer Vertreter der damals angehenden Hardcore-Streifen und das bekommt man gelegentlich unvorbereitet zu spüren.

 

 

Fazit: Die Anfänge der Slasher- und Splatterfilme. Ein Muss für jeden ernsthaften Horrorfan.