Autor: Jan

 

FILMRATING: 88%

 

Titel: Silent Hill: Willkommen in der Hölle

 

OT: Silent Hill

 

Herkunft: USA/CDN/F (2006)

 

Regie: Christophe Gans

 

Drehbuch: Roger Avary

 

Darsteller: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden, Deborah Kara Unger, Kim Coates, Tanya Allen, Alice Krige, Jodelle Ferland, Colleen Williams, Ron Gabriel, Eve Crawford, Derek Ritschel

 

Länge: ca. 120 Minuten

 

Inhalt: Als ihre Tochter Sharon (Jodelle Ferland) sich durch Schlafwandeln in Lebensgefahr bringt und mehrfach davon spricht, in die Stadt Silent Hill zu müssen, bricht Rose (Radha Mitchell) mit Sharon gegen den Willen ihres Mannes (Sean Bean) in die Geisterstadt in West Virginia auf, in der ein unter Tage schwelender Kohlenflözbrand jedes Leben unmöglich gemacht hat.

Auf der Fahrt passiert sie jedoch mitsamt der Polizistin Cybil (Laurie Holden), die sie verfolgt, eine unsichtbare Grenze und betritt ein anderes "Silent Hill" - eine unter Ascheregen begrabene Totenstadt, in der sich böse Kräfte phasenweise ausbreiten und in der sich ausbreitenden Finsternis die Lebenden vernichten.

Da Sharon beim Übergang verschwunden ist, muß Rose eine Reise in den Terror machen, denn irgendwo in der Stadt sitzt das Böse und hat einen Bezug zu ihrer Tochter, den sie noch nicht kennt. Und kann sie die letzten lebenden Bewohner von Silent Hill retten - oder ist es vielleicht sogar besser, einen Pakt mit dem Bösen einzugehen?

 

Altersfreigabe (FSK): ab 16

 

Kritik: Christophe Gans dürfte nach dem Fantas-Epos "Pakt der Wölfe" eigentlich jedem ein Name sein. Dass genau dieser Mann die Spielereihe "Silent Hill" realisieren wird, war nicht gerade eine erfreute Nachricht. Da sein Fantasyfilm viele inhaltliche als auch dramaturgische Schwächen hat und leider mit einer unnötigen Liebesgeschichte gepaart wurde, war er eher ein ungeeigneter Kandidat der Spiele-Verfilmung. Zum Glück bewies Gans das Gegenteil und schuf mitunter die beste Spielverfilmung aller Zeiten.

 

Es beginnt alles ohne Vorgeschichte, man wird sofort in die Geschichte hineinkatapultiert. Anfangs dauert es ein wenig, bis der Film in Fahrt kommt, aber sobald die ersten Sirenen ertönen, ist es aus mit Langeweile. In einem Mordstempo verfilmte Christophe Gans die fast schon legendäre Spielreihe „Silent Hill“ von Konami, die hier den schnörkellosen Schocker mitproduzierten. Die Spannung steigt von Minute zu Minute und es scheint kein Ende zu kommen, was den Zuschauer in ein fast unerträglichen Psychokampf hineinbringt. Die Atmosphäre ist ungeheuerlich gruselig und sehr gut gelungen als auch technisch ist hier alles tipptopp, bis auf die Tricks, deren Niveau leider zwischen genial bis geht so schwankt. Aber das ist hier eigentlich Nebensache. Auch ist die Story etwas verwogen und nicht ganz nachvollziehbar, aber dank der tollen Regie und netten visuellen Einfälle ist „Langweile“ hier ein Fremdwort. Man schaut den Hauptdarstellerinnen gerne zu, und auch wenn hier nicht jeder Schock sitzt, bleibt man gebannt am Sessel sitzen, bis man des Rätsel Lösung bekommt. Und die ist nicht mau geraten, wie es eigentlich oft in solchen Filmen ist. Das Finale ist ein blutiges, fast schon krankes Abschlachten und für Zartbesaitete eher nicht sehr geeignet, da hier zwar grotesk, aber ziemlich heftig die Körper zerteilt werden. Und das ist auch das Motto in diesem originellen Horrorfilm. Die Optik erinnert an das Computerspiel, dementsprechend sind auch die Tricks, denn die Monster und das Blut haben einen herrlich-genialen Computerstil. Das mag zwar anfangs etwas stören, aber man gewöhnt sich dran. Die Darsteller machen ihre Sache weitgehend gut, besonders das kleine Mädchen überzeugt, auch wenn ihre Synchronstimme etwas albern wirkt. Was besonders positiv hervorzuheben ist, dass dieser Horrorfilm nicht im US-Stil gedreht wurde, sondern er erinnert in den besten Momenten an den typischen neuen französischen Horrorfilm á la „High Tension“ und „Inside“, auch wenn sie nicht deren Genialität und Gewaltfaktor erreichen. Trotz alledem ist Regisseur Christophe Gans nach seinem Fantasyfilm „Pakt der Wölfe“ ein zweiter, besser filmgewordener Alptraum gelungen, der nicht leicht zu verdauen ist.

 

Hier ist unklar, wieso der Schocker das 16er-Siegel bekam. Der Film bedient sich hemmungslos bei den typischen Slasher-Klischees und erinnert auch allgemein an einen harten Franzosenschocker. Ein Grund könnte natürlich sein, dass der Film nicht realitätsnah gedreht wurde; nichts desto trotz - auch wenn er nur rein fiktiv ist - das hier ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Filmgewordender Alptraum. Definitiv nichts für zarte Gemüter. Ein lockerer "Keine Jugendfreigabe"-Schocker.

 

Fazit: Nicht nur für Spielkenner interessant: Optisch einmalige, atmosphärische Horror-Tortur.